Die Liveschaltung einer frischen oder aktualisierten Webseite birgt gewisse Tücken und einen etwas erhöhten Ruhepuls mit sich – vor allem, wenn die Webseite nicht auf einer unbekannten Domain in der hintersten Ecke des World Wide Webs aufgeschaltet wird, sondern auf einer renommierten, auf Google gut platzierten Domain, welche solide Zugriffszahlen aufweist. Wir erläutern, was beachtet werden muss, um die eigenen Inhalte effektiv ins Web zu bekommen – und wie man den Livegang etwas dramatischer gestalten kann.

Wenige Wochen ist es her, da wurde die vorliegende Webseite www.previon.ch im neuen Gewand aufgeschaltet. Grosse Freude herrschte, hauptsächlich in unseren eigenen Reihen – doch auch von Besuchern der neuen Seite waren bisher viele Komplimente zu hören. Doch der eigentliche Aufwand einer Live-Schaltung wird oft nicht gesehen oder überhaupt dargestellt – obwohl er mit Abstand der nervenaufreibendste Teil der Entwicklung ist. Zuviel kann schief gehen, allzu oft zweifelt man daran, ob man nicht doch die eine oder andere wichtige Einstellung vergessen hat. Umso grösser dann die Erleichterung, wenn die neue Seite das erste Mal über die Hauptdomain erreicht werden kann.

Wir zeigen Ihnen nachfolgend auf, wie unsere Plattform den Weg vom Entwicklungssystem zur produktiven Firmenwebseite gefunden hat.

Schritt 1: Entwicklungen abschliessen

Es gibt nichts Vergleichbares mit dem Gefühl, wenn auf dem Entwicklungssystem einige solide Inhalte erfasst werden, worauf eine Entwicklungsänderung alle Inhalte wieder vernichtet und die Arbeit von vorne beginnt. Deshalb gilt es, einige Tage vor dem GoLive-Termin eine Deadline für Entwicklungsanpassungen zu definieren. Alle Anpassungen, die nicht zu diesem Termin angegangen werden, müssen verschoben werden – solche Anpassungen sauber zu durchdenken und hinterher zu testen ist nämlich kaum mehr möglich. Das Risiko, eine zusätzliche Fehlerquelle einzubauen und so den Livegang zu gefährden ist immens. Oberstes Gebot ist es, nur noch notwendige Fehlerkorrekturen oder Sicherheitspatches einzuspielen. Dies sollte auch nur unter grösster Vorsicht geschehen, um die Einstellungen oder Inhalte nicht aufs Spiel zu setzen.

Schritt 2: Inhalte vervollständigen und gegenlesen

Ohne valide Inhalte bringt die Seite keinen Mehrwert, sie kann sogar Schaden verursachen – beispielsweise Image-Einbussen oder rechtliche Streitereien. Es ist deshalb eminent wichtig, die Inhalte bereits lange vor dem GoLive vollständig zu erfassen und anschliessend nur noch zu korrigieren. Gegen eine Lücke zwischen dieser Deadline und dem GoLive-Termin – ein paar Tage sind empfehlenswert – wird kaum jemand etwas sagen, wenn dafür die Qualität und Fülle der bestehenden Inhalte stimmt. Idealerweise können Inhalte aus dem alten System 1:1 übernommen werden, womit eine weitere Fehlerquelle eliminiert wird. Auch honoriert es Google, wenn unter den meist besuchten Links auf der alten Webseite (beispielsweise oft gelesene Blogs oder statische Seiten) auch in Zukunft etwas zu finden ist. Gültige HTTP 301-Weiterleitungen müssen vor dem Livegang sichergestellt sein.

Schritt 3: Performance-Optimierungen anbringen

Eine Seite kann, gespickt mit spannenden Inhalten, dynamischen Ergänzungen, Bildern und Videos, ein enormes Informations- und Unterhaltungspotenzial bergen. Dieses kommt allerdings kaum zur Geltung, wenn der Benutzer beim erstmaligen Laden der Seite eine Minute warten muss, bis das letzte Bild geladen und alle Skripte ausgeführt wurden. Eine langsame Seite schafft hohe Absprungraten! Deshalb muss dem Performance Testing ein eigener Zeitblock eingerechnet werden, damit auch allfällige Code-Anpassungen noch möglich sind (die idealerweise bereits in der Entwicklungsphase berücksichtigt wurden). Dazu gehören LazyLoading von Bildern, Browser- und Servercaching, Komprimierung von allen Medien, Skripten und Style-Definitionen. Im besten Fall werden gewisse Elemente sogar auf ein CDN (Content Delivery Network) ausgelagert, welches paralleles Laden von Ressourcen von schnelleren Servern erlaubt.

Schritt 4: Entwicklungseinstellungen anpassen

Die neu erstellte Plattform steht am Ende der Entwicklungsphase – es ist somit anzunehmen, dass die Einstellungen für die Entwicklung optimiert wurden. Eine davon ist beispielsweise das Caching, welche die Entwicklung aktiv stört, für eine produktive Seite jedoch von existenzieller Bedeutung ist. Ebenso müssen Passwörter aller Systembenutzer überarbeitet, richtig gewählt und nicht mehr benötigte Test-Benutzer entfernt werden. Weiterhin existiert oftmals eine Benutzer-Passwort-Zugangssperre zum Testsystem (.htaccess Basic Authentification). Diese sollte vor dem Livegang entfernt werden, da sie ein gutes Seitenranking auf Google innert kürze atomisiert. 

Schritt 5: Die Webseite umschalten

Nun kommt der effektive letzte Schritt, der die Liveschaltung in Gang setzt: Die neuen oder angepassten DNS-Definitionen. Das DNS (Domain Name System) beherbergt weltweit die Informationen, auf welchen Servern welche Webseite gespeichert ist. Wenn eine Webseite wie unsere über www.previon.ch aufgerufen wird, gelangt die Anfrage zuerst an die weltweiten DNS-Systeme und von dort auf die Name-Server der jeweiligen Hoster. Diese Systeme wissen, welche Adresse auf welche IP-Netzadresse weitergeleitet werden soll. Sobald also der DNS weiss, wo sich die neue Webseite befindet, leitet er Anfragen dorthin weiter, statt auf die alte Seite.

Diese Umschaltung dauert allerdings ihre Zeit: Jeder Eintrag besitzt eine sogenannte "TTL" (Time To Live). Diese Zeitdauer in Sekunden sagt dem DNS, wie lange der Eintrag gültig ist. Wenn man bemerkt, dass diese auf 24 Stunden eingestellt ist, bereut man, nicht genauer nachgelesen zu haben. Die meisten Hoster erlauben die tiefste TTL um ca. 15 Minuten, einige sogar weniger (bis zu 60 Sekunden). Ab dem Moment, ab dem die DNS-Einträge angepasst werden, dauert es maximal so lange wie in der TTL beschrieben, bis der letzte DNS der Welt die Adresse neu gelesen hat.

Wie war's denn bei uns?

Wir haben uns für die letzte Aktion, die den Livegang auslöst, etwas Besonderes ausgedacht – wir wollten symbolisch den Hebel umlegen. Aus diesem Grund haben wir unserer internen Hardware-Abteilung den Auftrag erteilt, einen alten Weichenstellhebel mit einer USB-Maus bzw. einer USB-Tastatur zu verbinden. Gesagt, getan – der Hebel, liebevoll #golivemachine genannt, war bereit. So konnten wir, unter Verwendung der Maus im Hebel, über das Web-Interface unseres Hosting-Dienstleisters die angepasste DNS-Konfiguration durch das Umlegen eines Schienenhebels speichern – die Liveschaltung war in die Wege geleitet!

Dass die Verteilung der DNS-Daten in unserem Fall maximal eine Viertelstunde dauerte, war nicht allen bewusst – die ersten Besucher einige Sekunden nach dem Hebel-Spektakel fanden immer noch die alte Seite vor. Nach einer kurzen Erklärung war dann allen bewusst, dass es abzuwarten galt, womit man sich auch wieder dem Apéro widmen konnte. Ende gut, alles gut.

Sehen Sie sich nachfolgend das Video unserer Liveschaltung an – der effektive Moment, in dem unsere Seite auf die Reise geschickt wurde!