Letzten Samstag fand bereits zum vierten Mal das UX Barcamp in Zürich statt. Nachdem man sich mit Goodies, Kaffee und Früchten eingedeckt hatte, begrüsste Daniel Demel und Thomas Link die Teilnehmer. Wie an einem Barcamp üblich, präsentierten dann die möglichen Speakers ihre Vortragsthemen und wurden mit Handzeichen bestätigt. So sammelten sich stolze 19 Sessions an, von «Lean Startup» über «10-Foot-UI» bis hin zu «Augmented Reality UX and Interaction design».

Gerne stelle ich Ihnen jene vor, die ich besucht habe.

Session 01. «10-Foot-UI»

In der ersten Session des Tages hat Interaction Designer Samuel Raymann über sein «HbbTV» Projekt mit der SRG SSR berichtet und auf die Schwierigkeiten hingewiesen, welche entstehen, wenn User von unterschiedlichen Remote-Control-Devices auf das UI zugreifen. Durch HbbTV ist es möglich, zusätzliche Informationen auf dem Fernsehgerät auf einfache Art darzustellen. So können beispielsweise Zusatzinformationen aus einem laufenden TV-Programm abgerufen werden oder sich mit Hilfe von Televoting aktiv am Geschehen beteiligen. Dank seinem Case konnte er gezielt aufzeigen, wie ausführlich User-Testing sein muss und wie die Übersetzung von einer Fernbedienung ins User Interface stattfinden soll. Der Titel «10-Foot-UI» bezeichnet die Distanz vom Screen zum User und zeigt auf, dass hier anders gestaltet werden muss. Zur Diskussion führte dann noch der SRG-Entscheid, von einem – beim SRF-gewohnten – schwarzen Hintergrund auf einen weissen, neutralen zu wechseln. Dabei konnte man sehr schön mitverfolgen, wie weit User Interface Entscheidungen führen können. Auf die Argumentation des Experten, dass laut Datenanalyse die meisten Personen am Abend TV schauen und dabei für das Auge die schwarze Hintergrundfarbe angenehmer ist, wurde leider nicht eingegangen.

10-Foot-UI

Session 02. «Show me something nice!»

In dieser – sehr gut besuchten – zweiten Session, zeigte Memi Beltrame Cases aus seinem Agentur-Alltag auf, die sich um User-Testing und User-Verhalten im Web drehten. Anhand der Ricardo-App zeigt er auf, wie die User im Web suchen und was für relevante Entscheidungen sie treffen. Ist es besser dem Benutzer einen endlosen Stream an zufälligen Angeboten zu präsentieren oder nimmt er einen hohen Initialaufwand in Kauf, indem er sich bereits zuvor einer Personakategorie zuordnet und so selektierte Angebote erhält. Des Weiteren zeigte er, wie er mit Hilfe des Persönlichkeitsmodells «Ocean-Model the big Five» einen Chatbot erstellte, den er zu Weihnachten seinen Kunden als Wunschzettel zusandte. So fragte der Bot mit gezielten Fragen seine Kunden aus, um ihnen zum Schluss personenspezifische Geschenk-Vorschläge und sowohl passende als auch schräge Geschenke zu präsentieren.

Session 03. «Augmented Reality UX and Interaction Design»

Die 3. Session startete gleich nach dem vom Tibits gesponserten Buffet auf der wunderbaren ZhdK-Dachterrasse und war als Produkttest der Microsoft HoloLens zu verstehen. Augmentit.ch zeigte dabei das Potenzial von Augmented- und Virtual Reality und präsentierte live die Vorzüge dieser Mixed-Reality-Brille. Durch die Brille, welche mit Gesten, Sprache und Kopfbewegungen gesteuert werden kann, ist der User in der Lage, projizierte Lichtpunkte als Elemente im realen Raum wahrzunehmen. Als Anwendungsbeispiel wurde die Medizinaltechnik erwähnt und im Live-Beispiel auch gleich vorgestellt.

Augmented Reality UX and Interaction Design

Session 04. «Sketch on Steroids»

Runde 04 war eine Sketch-Live-Demo und Diskussionsrunde zu den unterschiedlichsten Plugins. David Blum stellte seine Favoriten vor und im Plenum wurde über Pro und Kontra von Sketch im Allgemeinen und den diversesten Plugins im Einzelnen diskutiert. Hier konnte man sehr hilfreiche Tipps und Tricks mitnehmen und es entstand auch gleich ein Sketch-Meetup in Zürich, um den regelmässigen Wissensaustausch zu fördern. Zudem bekamen die Teilnehmenden eine Preview auf das Plugin «Abstract», welches zurzeit noch in der Betaphase steckt. Dank dieses Services können Design-Teams ihre Sketch-Files per Git hochladen und haben somit Zugriff auf eine komfortable Versionskontrolle.

Session 05 «Lean Startup»

Emilie Boillat, Informationsarchitektin und Business Developer bei der Swisscom, erklärte in einem kurzen und intensiven Workshop das «Lean Canvas» Konzept von Alexander Osterwalder anhand eines mit den Teilnehmern erarbeiteten Shopping-App-Konzepts. So zeigte sie anhand eines Fallbeispiel die Stärken eines solchen Konzeptes und gab gleich Insights von ihrem Berufsalltag und wie sie mit Hilfe von Lean Canvas grosse Projekt-Zusagen für sich gewinnen kann. 
Um das Thema Business Canvas zu vertiefen, können Sie gerne unseren Beitrag zum Thema lesen.

Lean Startup

Session 06. «Design Sprint in a nutshell»

In diesen 45-minütigen Workshop, spielten die Teilnehmer einen einwöchigen Design-Sprint im Eiltempo durch. Wo die Sprint-Members in einem gewöhnlichen Sprint 20 Minuten für eine Idee zur Verfügung haben, waren es hier nur 60 Sekunden. Zuerst wurden die Spielregeln und die Vorteile eines Google Venture Design-Sprints erläutert und Pat Mächler gab Auskunft, was es unbedingt zu beachten gilt. Innerhalb von kürzester Zeit entstanden dann tatsächlich spannende Lösungsansätze zu einer vorgegebenen Problemstellung. Dieser Workshop zeigte auf, wie wichtig neue Ansätze und Methoden sind und wie sie im modernen Business-Alltag zu erfolgreichen Lösungen führen können.
Mehr Informationen zum Google Venture Design-Sprint erfahren Sie in unserem Blogbeitrag über den Open Food Hackathon.

Insgesamt war das UX-Camp 2017 ein toll organisierter Event mit spannenden Talks, lehrreichen Workshops und interessanten Menschen.
Bis zum nächsten Jahr.

Ende der Sessions