Kryptowährungen und Blockchains machen momentan durch turbulente Kursverläufe Schlagzeilen. Es greift aber zu kurz, wenn die Blockchain-Technologie nur auf Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Litecoin und Konsorten reduziert und als reines Spekulationsobjekt angesehen wird.

Kryptowährungen und Blockchains ermöglichen sichere Transaktionen ohne eine zentrale Organisation, welche für die Vertrauenswürdigkeit der involvierten Teilnehmer bürgt. Das System ist so konstruiert, dass es selbst bei totaler Anarchie funktioniert, wenn sämtliche Marktteilnehmer nur um den eigenen Vorteil besorgt sind. Die Blockchain ermöglicht damit als Enabler-Technologie einen weltweiten Zugang zum Finanzsystem, der noch nicht überall selbstverständlich ist. In Entwicklungsländern haben beispielsweise nur 40% der Einwohner Zugang zum Finanzsystem, die restlichen 60% können auf diesem Weg keine Kredite bekommen oder ihr Vermögen investieren.

Blockchain schaltet zentrale Organisationen aus

Da durch die Blockchain zentrale Organisationen wie Banken, Broker oder Börsen ausgeschaltet werden, verwaltet jeder Eigentümer sein Vermögen selbst. Es handelt sich um ein Nullsummenspiel: Es kommt zu einer Machtverschiebung von der zentralen Organisation zum Individuum. Mit der Macht steigt auch die Verantwortung, denn wer als Individuum den Schlüssel zum eigenen virtuellen Tresor verliert, hat keine Bank mit einem Zweitschlüssel im Rücken. Dies ist wiederum ein Vorteil in autoritären Systemen, da somit das Vermögen vor staatlichen Zugriffen geschützt und resistent gegenüber Zensur ist.

Die Blockchain als dezentrales System für sichere Transaktionen hat das Potenzial, bestehenden Institutionen wie Banken, Broker und Börsen Geschäftsanteile streitig zu machen. Ein grosses Handicap ist der Reifegrad der Technologie. Die Diskussionen werden heute von den Innovators (siehe Grafik) geführt und sind noch sehr technologiegetrieben. Das Thema ist noch nicht für die breite Allgemeinheit verständlich. Ein Verständnis und Vertrauen in die Technologie ist jedoch eine wichtige Grundlage. Auch regulatorische Gründe bremsen heute noch die Diffusion und Adaption der Blockchain-Technologie, so ist es für institutionelle Anleger momentan noch nicht möglich, in Cryptowährungen zu investieren.

Diffusion von Innovation
Diffusion von Innovation, Creative Commons Attribution 2.5 CC BY 2.5 Wikipedia

Zuspruch für Blockchain, weit über die Finanzwelt hinaus

Mittlerweile springen die Early Adopters auf den Zug auf und präsentieren erste Anwendungsfälle auch ausserhalb der Finanzindustrie. Start-ups wie modum.io finanzieren sich anstatt mit einem IPO mit einem ICO (Initial Coin Offering). Die Dienstleistung des Unternehmens beruht ebenso auf der Blockchain und bietet ein transparentes Tracking der gesamten Supply Chain. Als weiteres Beispiel hat die AXA jüngst die erste Versicherung auf der Basis der Blockchain und Smart Contracts lanciert, die Fluggäste bei Verspätung automatisch entschädigt. Interessante Use Cases sind die Bereitstellung von Identitäten, das Etablieren von Crypto-Funds oder Börsen für den Stromhandel.

Im Gespräch mit unseren Kunden über ihre digitale Strategie tauchen Themen wie Kryptowährungen, Blockchain und Smart Contracts in letzter Zeit vermehrt bei uns auf. Gerne diskutieren wir mit Ihnen über neue Technologien und das Potenzial für Ihr Unternehmen.

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