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Wie entsteht eigentlich ein Design-Trend?

Christian Schär
Media Designer
Trend
Gegen Ende eines Jahres wird jeweils in die grosse Kristallkugel gestarrt und die Designszene macht sich Gedanken, welche Trends im Folgejahr angesagt sind. Auch wir haben dies in vergangener Zeit regelmässig gemacht, jedoch stellt sich für uns heute die Frage: wie kommt ein Design-Trend überhaupt zustande?

Seit letzten Herbst sind unsere Newsletters und Feeds gefüllt mit Artikelheadlines wie «Biggest design trends for 2020» oder «5 trends UX designers should know for 2020». Und je länger ich darüber nachdenke, was denn im aktuellen Jahr Trend sein wird, interessiert mich fast mehr, wer macht denn eigentlich einen Trend oder welche Faktoren sind für einen Trend ausschlaggebend? 

Sind es die grossen Plattformen, wie Google, Airbnb, Uber oder Amazon, deren Guidelines und Designsprachen wir studieren und für unsere eigenen Anwendungen adaptieren? Denn, was bei den grossen Keyplayern funktioniert, hat bereits eine starke Akzeptanz und müsste auch dem eigenen Nutzen förderlich sein.

Aber so einfach ist es nicht, denn ein Design-Trend hat unmissverständlich auch mit der technischen Umsetzung zu tun, denn die technischen Möglichkeiten bringen Gestaltungstrends erst hervor. Zu Beginn des Milleniums waren Flash-Animationen ein Must-have und auf gefühlt jeder zweiten Website sprangen uns die Elemente um die Ohren, sehr oft auch akustisch unterstützt.
Später brachte die Einführung von CSS3 eine Reihe von Trends hervor: Verläufe konnten direkt im Browser dargestellt werden und mussten nicht mehr mühsam in Photoshop als Bildhintergrund zusammengepattert werden. Oder abgerundete Textboxen, mit und ohne Schatten, der Spielraum für Webgestalter schien unerschöpflich. 

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Verläufe sind heute ein probates Mittel, um Hintergründe darzustellen.

Trend und Gegentrend

Und als dann fast alle Websites gleich aussahen und man sich daran satt gesehen hatte, folgte just die Gegenbewegung in Form von Flat-Design. Die habtisch anmutenden Elemente wichen einem einfachen minimalistischen Gestaltungsstil, mit klaren Formen und kontrastreichen Farben unterstrich es die Einfachheit und setzte den Fokus auf Funktionalität und den Inhalt der Seite.

Auch Hardware und Netzwerktechnik spielen bei Design-Trends eine grosse Rolle: Bildschirmfüllende Frontbilder und Videos sind die Folgen von immer grösseren Displays, leistungsstarken Bandbreiten und besseren Komprimierungsalgorhythmen.

 

Hero
Sticky Hero Section von codyhouse.co

Totgesagte leben länger

Dass ein Trend auch weitaus länger Bestand haben kann, als ihm vorausgesagt wurde, zeigt uns, dass man auch einem totgesagten Trend treu bleiben darf.

Nehmen wir dazu als Beispiel das Hamburger-Icon, das im Jahre 2009 aufgrund begrenzter Grösse im Mobilebereich populär wurde und heute in fast jeder Webapp auf dem Smartphone zu finden ist. Das bekannte Icon mit den drei Strichen kämpft seit seinem Release um seine Akzeptanz. Verfechter werfen ihm vor, dass es seinen Inhalt – oft steckt die Navigation dahinter – erst nach einem Klick preisgibt, oben rechts auf einem Mobile Device schwer erreichbar ist. Oder allein durch sein Icon falsch interpretiert werden kann. Doch… es hat sich etabliert und wird heute sogar bei Desktop-Anwendungen verwendet.

Hamburger als Ergänzung zur klassischen Navigation

Anwendung des Hamburger-Menüs gemeinsam mit einer klassischen Navigation, welche sich zusätzlich noch der Overflow-Funktionalität bedient. Hinter dem Hamburger verbirgt sich hier das konsolidierte Menükonstrukt. So gesehen auf nzz.ch und spiegel.de

Hamburger

Wir gestalten Erlebnisse

Einen Trend vorauszusagen, masse ich mir nicht an. Trends zu kennen und den Puls zu fühlen ist für eine Digital Agentur jedoch unabdingbar. Nur so können wir ein vollumfängliches Benutzererlebnis erschaffen, das die Bedürfnisse des Users abdeckt. Eine Website bauen, kann heute fast jeder, dass es aber ein tolles Erlebnis wird, dazu bedarf es etwas mehr. Die nötigen Trends zu kennen ist das eine, sie richtig einzusetzen das andere.