Buch- & Podcast-Tipp

02. November 2021

Previon Buchtipp: Die Not hat ein Ende - The Swiss Art of Rock

Das Buch, auf das ich dank eines Posts auf Social Media aufmerksam geworden bin, erzählt nicht nur die Geschichte der Rockmusik in der Schweiz, sondern zeigt auf fast 500 Seiten die Visualisierung dieser Subkulturen.
Buchtipp Christian Schär

Da sich meine tägliche Arbeit vorwiegend am Bildschirm abspielt, suche ich nicht nur online nach Inspiration. Und als gelernter Typograf bin ich an der Geschichte des Schweizer Grafikdesigns sehr interessiert, setzte es doch in Sachen Minimalismus und «Reduzierung aufs Wesentliche» Zeichen. Und genau dies versuchen wir doch auch tagtäglich mit unseren virtuellen Produkten zu erreichen.

Was verspricht das Buch?

Schweizer Grafik-Design ist international bekannt für den «Swiss Style» aus den 1950er- und 60er-Jahren. Die im Buch porträtierten Künstler haben allesamt einen prägenden Einfluss auf das grafische Schaffen im Zusammenhang mit der Musik hinterlassen und machen dies durch ihre Albumcovers, Konzertplakate, Flyers, Fanzines, Comics und Fotografien der letzten 50 Jahre hiesiger Rock- und Pop-Geschichte sichtbar.

Wird dies erreicht? Wenn ja, wie?

Ja, und wie… Nebst einer chronologischen und ausführlichen Zusammenfassung über die Geschichte der Rockmusik wird in 535 Abbildungen von fünfzehn ausgewählten Künstlern die Schweizer Rock-Art präsentiert. Es ist also nicht bloss ein Lesewerk, sondern vielmehr ein Bilderbuch, das man öffnet und kaum wieder weglegen kann.

Was macht die porträtierten Künstler:innen qualifiziert, in diesem Werk vorgestellt zu werden?

Die vorgestellten Künstler:innen sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und prägen noch heute die zeitgenössische Kunst. H.R. Giger ist sicherlich der bekannteste, der nebst dem Alien auch für Emerson, Lake and Palmer's Plattencover für «Brain Salad Surgery» zuständig war. Oder aber Peter Blumer, dessen hochformatigen Plakate für die von Good News organisierten Konzerte mit den drei Affen, noch so manchem in Erinnerung sind.

Bild für Buchtipp

Wie ist der Ton des Buches?

Obwohl das Buch kein Roman ist, liest es sich wie einer. Die einzelnen Anekdoten über die Künstler sind oft sehr witzig, decken oft aber auch die dunklen Seiten dieses Genres auf. Etwa im Teil von H.R. Giger, der diesen sogar selber verfasste, als er über die Entstehung des ELP-Plattencovers schreibt.

Gesamteindruck: persönliche Einschätzung

Ich würde mich nun absolut nicht als Bücherwurm bezeichnen, aber dieses Buch habe ich in Kombination mit den vielen Bildern förmlich verschlungen. Es dient für mich als tagtägliche Inspiration für meine kreative Arbeit und beinhaltet Anekdoten, die man auch gerne beim Schwatz mit Freunden zum Besten geben kann.

Zitat
Der Fokus dieses Buches liegt also nicht primär auf den Bands und deren Musikern, sondern vielmehr auf der Kreativität, mit der auf diese Konzerte hingewiesen wurde.

Wurde das Buch so geschrieben, dass man sich als Leser:in damit identifizieren kann?

Ich als Musik- und Designfan fühle mich sehr angesprochen und man fühlt sich beim Lesen in die jeweilige Zeit zurückversetzt.

Ist das Buch sauber recherchiert? Gibt es ein Quellenverzeichnis?

Sauber recherchiert ja, aber ein Quellenverzeichnis sucht man vergebens. Experten der Musikgeschichte steuerten chronologische und historische Informationen bei, der Abschluss findet mit einem Diskurs zur Entwicklung der gestalterischen Erscheinungsformen der Rockkultur von ihren Anfängen bis heute statt. Ein Künstler- und Bandindex rundet das Werk ab.

Welchen Teil des Buches findest du am besten?

Unter den porträtierten Künstlern ist auch Michel Cassaramona, von dem ich vor etlichen Jahren ein Konzertplakat von Celtic Frost gekauft habe, das mir die Band dann auch noch signiert hat. Sein kruder Retrolook gefällt mir sehr, dadurch habe ich seinem Teil die grösste Aufmerksamkeit geschenkt. Zudem stammt er ursprünglich aus Aarau.

Welchen am wenigsten?

Schwer zu sagen, eigentlich keinen. Sogar das Vorwort, zu dem ich jeweils keinen besonderen Bezug herstellen kann, habe ich gelesen…

Wenn du etwas ändern könntest, was wäre es?

Ich hätte noch etwa 500 Abbildungen mehr angehängt :)

Plakat-Illustration von Peter Blum für Good News

Warum würdest du dieses Buch empfehlen?

Rockmusik und Design nehmen auch in meinem Privatleben einen hohen Stellenwert ein, gestalte ich doch auch heute noch Plattencovers und Plakate und bin Hausgrafiker der Band Leech… und einfach weil ich den «Swiss Style» liebe.

Welchen Leser:innen würdest du das Buch empfehlen?

Allen. Sowohl Freunden der Schweizer Musikszene als auch Designliebhabern und alten Typografen.

Gesamtbewertung

Relevanz: 🚀🚀🚀🚀🚀

Schreibstil: 🚀🚀🚀🚀🚀

Gesamteindruck: 🚀🚀🚀🚀🚀